“Nur die Kunst kann die Gesellschaft verändern.”

Als ich zum ersten Mal den Arbeiten von Joseph Beuys begegnete, war ich zu jung und unvorbereitet, um etwas von deren Bedeutung verstehen zu können. Ich war fasziniert und verständnislos zugleich. Die Atmosphäre, die von seinen Kunstwerken ausging, hatte mich in ihren Bann gezogen, aber mein Verstand konnte mit all dem nichts anfangen. Und wenn ich heute darüber nachdenke, wie es mir seinerzeit in der ersten Begegnung mit den Kunstwerken von Beuys ging, muss ich sagen, hat sich an diesem Umstand kaum etwas geändert. Faszination und rationale Irritation liegen in der Begegnung mit seiner Kunst sehr nahe zusammen. Man kann die Kunstwerke von Beuys nicht verstehen, ohne sich erklärender Texte zu bedienen. Seine Objekte sind nicht selbsterklärend, sondern nur im Kontext seiner Ideen und seiner Weltanschauung verständlich. Und genau hier liegt Beuys Einzigartigkeit. Er erhebt den Anspruch, mit seiner Kunst die gesellschaftlichen Verhältnisse zu verändern. („Nur die Kunst kann die Gesellschaft verändern.“) Seine Objekte aber spiegeln nicht die Vielfalt seiner inhaltlichen Ideen wider. Man könnte sogar überspitzt behaupten, dass die meisten seiner Objekte ziemlich ungeeignet sind, seine Ideen zu repräsentieren. Das Objekt ist zwar ein Vehikel, aber keines, das selbst Inhalte transportiert. Inhalt und Bedeutung werden ihm auf einer anderen Ebene zugeschrieben.

„Die Objekte sind nur verständlich im Zusammenhang mit meinen Ideen. […] Auch wenn die Produkte vielleicht überhaupt nicht geeignet erscheinen, politische Veränderungen zu bewirken, geht davon, meine ich, mehr aus, als wenn die Ideen direkt an ihnen ablesbar wären.“ Joseph Beuys

Donar Rau

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